0/ Reste vom Mehrwert
zum Raum in der Ausstellung
CIRCULAR FLOW
Zur Ökonomie der Ungleichheit
Kunstmuseum Basel
Gegenwart/ 07.12. 2019 – 03.05. 2020

Ulrike Grossarth

Momentane Interessensschwerpunkte:

• Grundlagen des Tauschhandels, die allgemeine Frage nach Werten, ihrer Entstehung und die ökonomischen Sprachregelungen des Warentausches.

• Subjektkonstituierende Bedingungen die aus ökonomischen Zusammenhängen abgeleitet werden.

• Praktisches Aufbereiten von mittelosteuropäischem Archivmaterial in Seminaren, Ausstellungen und Aktionen an Originalschauplätzen.

• „Leerstellenproduktivtät“ (Sylvia Krämer), in einer Salle des Mères.

Seit Beginn meiner künstlerischen Tätigkeit interessieren mich Methoden und Formen, durch welche dauerhaft ein offener Raum ermöglicht werden kann, in dem nicht abschließbare und ephemere Strukturen in Erscheinung treten können. Eine Voraussetzung u.a. ist die Akzeptanz der permanenten Wandlung von Formen, also ein Handeln, wie es Hannah Arendt in ihrem Buch Vita Activa als eine in der Kultur noch zu entwickelnde Größe herausstellt. In ihrer systemischen Analyse der drei Grundtätigkeiten Arbeiten, Herstellen und Handeln beschreibt sie den Handlungsbegriff als „eigentlichen Ursprung menschlicher Prozesse“, die „man nicht rückgängig machen kann“ und „die Kräfte erzeugen, die im Haushalt der Natur nicht vorgesehen sind.“ Von dieser „neuen Art Forschung“ heißt es bei Arendt, sie könne nicht „nur theoretischer Natur“ sein und dann exemplarisch auf die Körperwelt übertragen werden, sondern ergebe sich aus einem Tun, das sich seiner Bezüge und Bedingungen bewusst ist. Das Aufspüren dieses vakanten Raumes in überkommenen Regelwerken der westlichen Gesellschaften, wo sie z.B. als unbewusste Zone oder als von Abstraktionen überbrückte „fallouts“ existieren,  ist seit den 80iger Jahren das Grundthema in meinen Arbeiten und wird durch die Projekte in Süd-Ost-Polen weiter entwickelt.